Urin als Dünger

Sobald man im eigenen Garten beginnt in geschlossenen Stoffkreisläufen zu denken, kommt man am Thema Urin als Dünger eigentlich nicht vorbei.

Dabei mag der Umgang mit Urin für den einen oder anderen Menschen zunächst einmal befremdlich wirken, um es gelinde auszudrücken. Allerdings kommt man über eine eventuelle Ekelschwelle schnell hinweg, wenn man sich bewusst macht, dass der frische Urin eines gesunden Menschen frei von jeder mikrobiellen Belastung und – außerhalb der Spargelzeit – jedweden unangenehmen Gerüchen ist. Diese entstehen erst durch den Kontakt mit Bakterien und lassen sich durch einfache Techniken auch weitgehend vermeiden.

Flüssiges Gold

Unser Körper ist eine wunderbare Stofftrennungsanlage, die einerseits energiearme und kohlenstoffreiche Feststoffe sowie andererseits energiereiche und kohlenstoffarme Flüssigkeiten ausscheidet. In der Flüssigkeit sind sämtliche Mineralien, Spurenelemente, Hormone und Gifte enthalten, die wir vorher zu uns genommen haben und mit denen der Körper nichts mehr anfangen kann.

Dieser Stoff ist viel zu wertvoll, um ihn einfach im Klo runterzuspülen, denn er enthält u.a. die drei Hauptnährstoffe, welche Pflanzen zum Leben benötigen: Stickstoff, Phosphor und Kalium. Darüber hinaus enthält Urin verschiedene Aminosäuren, Hormone, Vitamine (sic!) und Spurenelemente, welche essentiell für ein gesundes Pflanzenwachstum sind.

Menschlicher Urin ist z.B. eine hervorragende Quelle für das Wachstumshormon Auxin. Konkret ist im menschlichen Urin eines der potentesten Auxine zu finden, die Indol-3-Essigsäure. Diese wirkt schon in kleinsten Mengen stimulierend auf die Wurzel- und Blüteentwicklung.

Bei dieser gehaltvollen Zusammensetzung ist es kein wirkliches Wunder, dass Wissenschaftler auf der ganzen Welt bestätigt haben, dass Urin als landwirtschaftlicher Volldünger bestens geeignet ist.

Aus der Vergangenheit lernen

Unsere Vorfahren wussten um die Vorzüge auch ohne Wissenschaft und haben die Flüssigkeit im großen Stil gesammelt und wieder auf die Äcker gebracht. Wahrscheinlich hat die gezielte Nutzung als Dünger bereits mit dem Beginn des Ackerbaus begonnen. Spätestens seit dem Römischen Reich war der Urinhandel ein einträgliches Geschäft – auch aber nicht nur für den Staat selbst. Das vorläufige Ende der Nutzung wurde jedenfalls von Justus Liebig und der beginnenden Verwendung von bergbautechnisch gewonnenen bzw. industriell hergestellten Düngemitteln eingeleitet. Heutzutage ist menschlicher Urin lediglich ein Bestandteil einer im Abwassersystem abgeführten schwarzen und stinkenden Brühe, die teuer aufbereitet werden muss.

Als Gärtner oder Bauer kann man diese Verschwendungskette leicht durchbrechen, indem der Urin gesammelt, an die Pflanzen abgegeben und so ein wichtiger Stoffkreislauf wieder geschlossen wird.

Auf die Ernährung kommt es an

Da die einzelnen Bestandteile des Urins in erster Linie von der persönlichen Ernährung abhängen, sind pauschale Aussagen zur Konzentration der Inhaltsstoffe schwierig. In einer Untersuchung der University of Agricultural Sciences in Bangalore wurde die Konzentration der wichtigsten Bestandteile des Urins in Abhängigkeit von der Ernährung in verschiedenen Altersgruppen untersucht und folgende Unterschiede festgestellt:

Parameter

Vegetarische Ernährung

Nichtvegetarische Ernährung

<20 Jahre

20- 40 Jahre

> 40 Jahre

<20 Jahre

20- 40 Jahre

> 40 Jahre

pH

4.97-6.51

4.79-6.65

4.26-6.23

4.96-6.81

5.29-6.29

4.93-6.19

EC (dS/m)

5.64-6.97

6.85-8.17

6.81-7.89

6.68-7.97

7.41-8.75

7.06-8.32

N (%)

0.21-0.41

0.25-0.43

0.26-0.42

0.31-0.50

0.33-0.55

0.36-0.45

P2O5 (%)

0.17-0.22

0.11-0.26

0.13-0.24

0.13-0.30

0.13-0.23

0.12-0.25

K2O (%)

0.12-0.23

0.14-0.20

0.17-0.22

0.15-0.22

0.12-0.25

0.17-0.24

Na (%)

0.22-0.31

0.13-0.23

0.14-0.22

0.24-0.34

0.12-0.30

0.15-0.23

Ca (meq/l)

8.00-16.00

6.00-18.00

10.00-24.00

8.00-20.00

14.00-22.00

14.00-26.00

Mg (meq/l)

15.80-33.58

21.73-43.46

31.60-41.48

21.73-37.53

27.65-39.51

31.60-39.51

S (%)

0.10-0.17

0.09-0.21

0.07-0.20

0.11-0.22

0.10-0.18

0.09-0.15

HCO-3 (meq/l)

5.12-11.52

7.68-14.08

6.40-14.08

5.12-14.08

7.68-16.64

6.40-16.64

Cl(meq//l)

22.72-32.08

28.07-36.54

26.29-36.09

23.61-37.87

26.29-38.76

28.07-37.87

Zn (mg/l)

16.20-19.80

17.00-22.40

17.00-23.40

16.40-20.40

18.60-23.00

17.40-23.80

Fe (mg/l)

98.60-139.40

114.20-131.80

118.80-143.00

116.60-164.80

119.40-134.80

119.40-134.80

Mn (mg/l)

17.80-27.00

17.80-27.00

18.20-27.00

22.20-27.00

17.80-27.00

17.80-26.40

Cu (mg/l)

41.82-47.84

41.82-48.04

43.82-48.04

45.96-48.78

41.82-48.44

41.82-48.44

Urin-Hacking

Der pH-Wert schwankt bei einer normalen Ernährung zwischen 4,6 und 7,5. Je nach Diätplan verändert sich auch der pH-Wert des Urins. Eiweißreiche Kost verschiebt den pH-Wert mehr in den sauren und vegetarische Ernährung mehr in den alkalischen Bereich. Bakterielle Infektionen erhöhen den Wert. In der praktischen Anwendung im Garten spielt der pH-Wert nicht so eine große Rolle. Einerseits wird Urin nur in Verdünnung mit Wasser ausgebracht. Außerdem reguliert sich der Wert im Boden sehr schnell wieder.

Beim Einsatz in der Hydrokultur ist dagegen penibel auf die Einhaltung des pH-Werts der Nährlösung zu achten. Zu diesem Zweck sollt der Urin z.B. mit pH-Teststreifen getestet werden. Der Wert kann sehr gut z.B. mit Kaffee, Zitrussäften oder Essig bzw. erhöhten Fleischkonsum gesenkt werden, wenn er zu hoch sein sollte, was wohl eher selten der Fall sein sollte. Bei zu niedrigem pH-Wert sollte als erstes der Fleischkonsum entsprechend reduziert werden. Außerdem kann auch die Einnahme von alkalisch wirkenden Natriumhydrogencarbonat (bspw. Bullrichsalz) eine Anhebung bewirken.

Der Gehalt von bestimmten Mineralien kann ebenso durch eine entsprechende Ernährung beeinflusst werden. Beispielsweise werden nur 10-15 % der Masse von Multimineralpräparaten vom Körper aufgenommen. Der Rest wird mit dem Urin wieder ausgeschieden. Eine solche Pille kann folglich in ungefähr drei Stunden den Spurenelementespiegel im Urin erhöhen. Phosphor wird von vielen Pflanzen besonders in Samen und Saaten angereichert. Durch den Konsum von z.B. gerösteten Sonnenblumenkernen oder Nüssen kann entsprechend der Phosphorgehalt im Urin erhöht werden. Hülsenfrüchte, Kondensmilch, Schmelz-, Koch-, Hart-, Schnittkäse, Leber, Hirn, Fleischextrakt, Eigelb und Ölsardinen bewirken ebenfalls eine Erhöhung des Phosphatwertes. Der Kaliumgehalt kann durch Trockenobst, verschiedene Obstsorten (z.B. Aprikose, Avocado, Banane, Hagebutten, Holunder, Honigmelone, Johannisbeere, Nektarine), Gemüsesorten (z.B. Beinwell, Blumenkohl, Broccoli, Endivie, Feldsalat, Fenchel, Grünkohl, Kartoffeln, Kohlrabi, Löwenzahn, Pastinake, Petersilienwurzel, Rettich, Sellerie, Spinat, Hülsenfrüchte), Pilze, Nüsse und/oder Kakao (auch in Form von Schokolade) erhöht werden. Bitte beachten: Ich empfehle hiermit ausdrücklich nicht, die genannten Lebensmittel zu sich zu nehmen, nur um den Düngewert des eigenen Urins zu erhöhen, schon gar nicht alle zusammen. Für etwaige Magenverstimmungen oder sonstige Schäden ist der Konsument selbst verantwortlich.

Unerwünschte Bestandteile

Über genaue Details zur Zusammensetzung des eigenen Urins braucht man sich in der Regel dann keine Gedanken zu machen, solange man sich ausgeglichen und gesund ernährt. Nur wer kann das mit Sicherheit für sich behaupten? Raucher mit Sicherheit nicht. Denn die durch den Rauch aufgenommenen Gifte, u.a. Schwermetalle, wie  z.B. Cadmium, werden natürlich ebenfalls über den Urin aus dem Körper ausgespült. Eine quecksilberhaltige Amalganfüllung kann schon den Quecksilberspiegel im Urin erhöhen. Auch ein erhöhter Fischkonsum beeinflusst diesen Wert. Und an die ganzen organischen Verbindungen der Neuzeit, wie z.B. die Metaboliten der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK), mag man gar nicht denken.

Ich denke, es muss nicht gesondert erwähnt werden, dass nur unbelastetes Pippi direkt im Beet zum Einsatz kommen sollte. Um das festzustellen, bräuchte man eigentlich eine umfassende Laboranalyse.

In eigenem Interesse sollte während des Konsums von nichtpflanzlichen Medikamenten auf die direkte Ausbringung des Urins im Beet verzichtet werden. Lässt sich der Medikamentenkonsum nicht vermeiden oder im Falle einer bakteriellen Erkrankung bzw. der Kontamination mit Giften besteht ggf. die Möglichkeit der Aufbereitung des Urins durch anaerobe (unter Ausschluss von Sauerstoff) Fermentierung mit Hilfe von Effektiven Mikroorganismen und anschließender aerober (mit Beteiligung von Sauerstoff) Kompostierung unter Zugabe von Holzkohle. Durch diese Prozesse werden viele Giftstoffe abgebaut oder in der Holzkohle gebunden.

Anwendung als Dünger

Für das Auffangen und Lagern von Urin gibt es die unterschiedlichsten Lösungen. Neben dem einfachen Kanister mit oder ohne Einfüllhilfe gibt es inzwischen sehr komfortable Modelle von Trenntoiletten in allen Preislagen, welche sich in viele Haushalte leicht integrieren lassen und keinerlei hygienische Mängel erkennen lassen.

Kleiner Tipp: Ein Schluck EMa in einem Lagerbehälter vor der ersten Nutzung verhindert zuverlässig Gerüche, die durch die Öffnung zum Zwecke der etappenweisen Befüllung empfindliche Nasen stören könnten. Zu „EMa“ oder aktivierten Effektiven Mikroorganismen allgemein, siehe auch meinen Artikel: Der universelle Einsatz der Effektiven Mikroorganismen

Als praktisch – besonders in Gärten – hat sich auch die folgende Technik erwiesen: In einem ggf. mit Sichtschutz abgetrennten Bereich des Gartens wird ein kleiner Haufen mit trockenem Stroh aufgeschichtet, ca. 20-30 cm hoch. Dieser wird dann als Zielgebiet für das kleine Geschäft genutzt. Das trockene Stroh saugt den Urin auf und speichert so die Inhaltsstoffe, nur das enthaltene Wasser verdampft in Abhängigkeit von Nutzungsintensität und Witterung. Durch den hohen Kohlenstoffgehalt des Strohs werden überdies zuverlässig Gerüche gebunden. Sollten nach einiger Zeit Gerüche auftreten, so ist das ein sicheres Zeichen, dass das Stroh seine maximale Speicherkapazität erreicht hat und erneuert werden sollte. Das verbrauchte Stroh wird am besten mit einer Mistgabel entweder auf dem Kompost vererdet oder dünn als Flächenmulch auf den Beeten ausgebracht.

Bei einer Beetausbringung in flüssiger Form sollte der Urin im Verhältnis ungefähr 1:10 mit Wasser verdünnt werden. Stickstoffliebende Pflanzen, wie z.B. Tomaten, können auch mit einer geringeren Verdünnung gegossen werden. Für Jungpflanzen sollte eine Verdünnung von 1:20 als Richtwert dienen. Je nach Ernährungsgewohnheit und der entsprechenden eigenen Urinzusammensetzung, kann der Verdünnungsgrad in Abhängigkeit von der behandelten Pflanzenart nach oben oder unten angepasst werden.

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42 Gedanken zu „Urin als Dünger“

  1. Quecksilber dürfte kaum nach einem Fischgericht im Urin auftauchen.
    Es wird „sehr gut vom Körper aufgenommen und gespeichert“.
    Wenn es ausgeschieden wird, dann erfolgt dies vornehmlich über den Darm.
    Quelle ist Dr. Klinghardt z.B.:

    1. Hallo und vielen Dank für Deinen Kommentar. Da das in Fisch enthaltene Quecksilber im Wesentlichen organischer Natur ist, wird es nur zu einem geringen Teil mit dem Urin ausgeschieden und stattdessen im Körpergewebe (z.B. Leber, Nieren, Haare..) abgelagert. Das schließt aber nicht aus, dass erhöhter Fischkonsum den Quecksilberwert im Urin beeinflusst, wenn auch in geringem Maße. Ich habe wieder etwas dazugelernt und die Stelle im Text korrigiert. Nochmals Vielen Dank!

  2. Ich mache auch nur gute Erfahrungen mit Urindüngung und bekomme immer viel Lob für meine üppigen Blumen.

  3. Hallo, ich würde gerne wissen, wie es um die Hormone steht- viele Frauen nehmen die Pille, und es steht zur Frage, den aufgefangenen Urin von einem Festival (über 20000 Leute) zum Düngen einzusetzen. Gibt es darüber Untersuchungen ?
    Vielen Dank

    1. Hallo Anja, ja mittlerweile gibt es dazu auch Untersuchungen und auch schon erste umsetzbare Lösungen. Allerdings ist das Thema Hormone in menschlichen Ausscheidungen sehr komplex. Ich habe allerdings beim Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt etwas gefunden, die sich genau mit diese Thema beschäftigt haben. Sie entwickelten einen mit Mikroorganismen besiedelten Biofilter, der die Schadstoffe herausfiltert und den Urin als Dünger in einem aquaponischen System zur Verfügung stellt: http://www.dlr.de/me/Portaldata/25/Resources/dokumente/aktuelles/cropundbiofilter_-_visionenvon_lebenserhaltungssystemen2012.pdf
      Sie schreiben in dem PDF, dass sich mit den richtigen Mikroorganismen auch Hormone gezielt abbauen lassen. Leider schreiben sie nicht, um welche Mikroben es sich dabei handelt. Ist wahrscheinlich auch abhängig von den konkreten Hormonen. Und bei 20.000 Menschen handelt es sich wahrscheinlich auch um eine Vielzahl von Hormonen… Mh.. schwierig, das..

      1. Danke fuer die Info. Dann ist also das Verwenden dieses Urins zum Duengen nicht unbedingt ratsam, ohne dass er speziell gefiltert wird. Nehmen die Pflanzen denn die Hormone auf und unser Koerper nach dem Verzehr dieser Pflanzen?
        Danke

        1. Hallo Anja,
          bitte entschuldige die Verspätung. Leider habe ich dazu keine passende Antwort. Ich habe recherchiert und meine „Quellen“ befragt, aber so hundertprozentig kenne ich nicht den Wirkungsweg, den die Hormone nehmen. Es ist wohl nachgewiesen, dass die Hormone in den Lebensmitteln eine Auswirkung auf den menschlichen Organismus haben können. Ob sich die Hormone aber im Pflanzenmaterial einlagern oder auf der Pflanze ablagern, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Vielleicht weiß ein Leser, wie das genau funktioniert?

          1. Hallo Anja,
            Vielleicht hilft uns eine Überlegung, logisch theoretisch.
            Wenn ich meiner Katze, die auf frisches Fleisch steht, ein Stückchen Geräuchertes oder gesalzenes gebe, zeigt sie mir ihr Hinterteil und spaziert, erhobenen Schwanzes, kommentarlos ihrer Wege.
            Wenn wir wissen, daß eine Pflanze durch ihr noch viel mehr erkennungsintelligentes Wurzelwerk wirklich nur das aufnimmt, was sie auch braucht, würde ich davon ausgehen, dass die Hormone einfach an der Pflanze vorbei im Boden versickern und nicht wieder in den Kreislauf gelangen oder von der Pflanze verwertet und umgesetzt wird. (Vielleich aber bei Tieren, vor Allem, die im Wasser leben).
            Ist da nicht gerade die Pflanze der „Spezialfilter“?
            Habe jeden falls noch nie eine Mohrrübe mit weiblichen Brüsten oder ähnliche Anomalien gesehen. Die EU-Gurke ist natürlich etwas anderes, von dummen Menschen erfunden eben 😉
            Ähnliches denke ich auch bei den ach so bösen Schwermetallen etc.
            Jeden Falls sollten wir uns etwas von der Natur abschauen können und auch die Informationen filtern, die uns die Bezahlten Pseudowissenschaftler an angstmachenden Theorien über´s TV einbläuen wollen.
            Das Essen aus Deinem Garten ist ganz sicher besser als das aus dem Supermarkt. Egal, ob mit oder ohne Hormone.
            Ist nur eine Überlegung.
            LG

  4. Danke. Ab jetzt mein neuer Biodünger für meinen Garten. Werd gleich mal eine Versuchsreihe starten! 🙂

  5. Hallo, ein toller Artikel! kann ich Urin von einem Raucher einsetzen zum Düngen? Der Raucher ernährt sich ansonsten sehr gesund und bewusst, raucht halt nur 10-15 zigaretten am Tag. Ich möchte das gerne ausprobieren ob ich den Urin verwenden kann, möchte aber meinen Pflanzen keinen schaden zufügen.was raten Sie mir?

    1. Hallo Klaus, danke für das Lob. Das freut mich sehr. Zu Deiner Frage: Ich bin kein Biochemiker und weiß im Detail auch leider nicht, was in den verschiedenen Tabaksorten enthalten ist. Man liest da immer mal was von Cadmium und teils auch Arsen, alles bestimmt nicht gut, wenn es über den Urin in den Garten kommt. Allerdings bin ich auch Raucher (von angeblich zusatzstofffreien Tabaksorten) und nutze meinen Urin auch als Dünger. Negative Auswirkungen habe ich bei Garten- und Topfkulturen bisher nicht feststellen können. In Anbetracht einer ansonsten bewussten Ernährung ohne Pharmazeutika mache ich mir darüber keine Gedanken. Als „Laie“ kann ich von einer Nutzung unter diesen Umständen nicht abraten.
      Beste sonntägliche Grüße,
      landmensch

  6. danke für den interessanten Artikel. Der Link der Untersuchung hat sich geändert: http://www.susana.org/_resources/documents/default/2-1618-43-human-urine-an-alternative-to-chemical-fertilizers-in-crop-production-c-srinivasamurthy.pdf. In einigen Foren wird der Kochsalzgehalt von Urin negativ diskutiert, auch ich meine, bei den salzempfindlichen Erdbeeren und Bohnen nicht so gutes Wachstum zu haben, aber alle sonstiges Gemüse und Obst gedeiht seit Jahren prächtig in meinem Garten. Für Tomatenanzucht geradezu unerlässlich! Die im Aquaponikartikel angesproches negative Auswirkung auf das Bodenleben konnte ich nicht feststellen, es fehlen jegliche Referenzen auf Literatur, merkwürdig für die DLR.

  7. Danke für den Artikel! Ich habe nun ein Jahr lang mit Urin als Dünger für Topfpflanzen und im Garten experimentiert, und bin begeistert. Den Pflanzen scheint es auch zu gefallen. Bisher hatte ich abwechselnd mit Pflanzenjauche und Flüssigdünger gedüngt. Ich finde Urin viel praktischer.

  8. In einem Forum wurde mir gesagt dass es nicht so einfach ist, da Urin zu salzig ist nur ein „Feigenblatt“ im Gegensatz zum Kunstdünger.
    Ich denke aber das ist nicht so, da es nichts extrahiertes ist usw. Kannst du das fachlich erklären?

  9. Guten morgen tobi und weitere leser☺, ich hab auf Wikipedia eine recht gute erklärung gefunden😏 das ausgeschiedene kalium im urin ist ein salz und widerlegt das „zu salzig“😏

    Bedeutung als DüngemittelBearbeiten

    Wasserlösliche Kaliumsalze werden als Düngemittel verwendet, da Pflanzen die im Boden vorkommenden Kaliumsilicate schlecht aufschließen können.

    Die Wirkung des essentiellen Makronährstoffes Kalium in den Pflanzen ist vielfältig. Im Xylem dient es als Osmotikum welches für den Aufbau des Wurzeldrucks entscheidend ist. Kalium in den Blattzellen erhöht den Turgor, was zu einer Zellstreckung und Blattflächenwachstum führt. Auch sorgt es über die Erhöhung des Turgors für eine Öffnung der Stomata, was die CO2-Aufnahme begünstigt und somit direkten Einfluss auf die Photosyntheseleistung hat. Ist Kalium in ausreichenden Mengen vorhanden, fördert es in einem ersten Schritt die Bildung von C3-Zuckern, die in weiteren von Kalium beeinflussten Stoffwechselprozessen zu Stärke, Zellulose, Lignin und Proteinen verarbeitet werden. Pflanzen, die unter Kaliummangel leiden, weisen vornehmlich an den älteren Blättern Symptome auf. Kalium wird aus ihnen retransloziert und über das Phloem in junge Blätter transportiert. Typische Symptome eines Kaliummangels sind Punkt-, Interkostal- und Blattrandchlorosen sowie Blattrandnekrosen. Auch kommt es zu einem gestauchten Habitus und gegebenenfalls zur Welketracht. Bei starker Sonneneinstrahlung kann es zur Photooxidation in den Blättern kommen.[18] Ein stärkerer Überschuss bewirkt Wurzelverbrennungen und Calcium- beziehungsweise Magnesium-Mangel.

    Kalium ist der Gegenspieler von Calcium – beide Nährelemente müssen also in einem richtigen Verhältnis zueinander in der Pflanze und im Boden vorhanden sein.

    Wichtige kaliumhaltige Düngemittel:
    ◾Kornkali mit MgO
    ◾Patentkali
    ◾Kaliumsulfat
    ◾Flory
    ◾Nitrophoska
    ◾Kaliphosphat
    ◾Kalinitrat

    Sry für den langen Text😏 ich hab aber mal eine ganz andere frage…auch wenn das verdünnt wird, wie sieht das denn mit Gerüchen aus? Könnte man auch Zimmerpflanzen mit Urin düngen?

    1. ich dünge auch Zimmerpflanzen erfolgreich, frischer Urin ist ausser nach Spargel fast geruchsfrei, erst recht nach der nötigen zehnfachen Verdünnung mit Wasser. Trotzdem aufpassen mit salzempfindlichen Pflanzen, hier ist Kochsalz, also Natriumchlorid gemeint und nicht Kalium. Hängt natürlich von der Salzigkeit der Nahrung ab. Eine Anreicherung nach Monaten kann jedoch durch sporadisches kräftiges Wässern verhindert werden.

  10. Salze binden Wasser im Körper und werden zusammen mit dem Urin ausgeschieden…d.h. Nur so viel Salz wie der Körper benötigt am Tag essen, also 2-3g bei viel Sport und harter Arbeit etwas mehr…und ausreichen trinken!☺ Für die dies genau heben wollen hier eine Formel:

    Berechnung:
    Für die ersten 10 kg des Körpergewicht je 100ml/kg
    Für die nächsten 10 kg Körpergewicht je 50 ml/kg
    Für alle weiteren kg Körpergewicht je 15 ml/kg

    Beispiel:
    z. B. 70 kg Körpergewicht
    10 kg * 100ml = 1000 ml
    10 kg * 50ml = 500 ml
    50 kg * 15ml = 750 ml
    Durchschnittlicher Flüssigkeitsbedarf: 2250ml

  11. Eine kleine Anekdote aus meiner Kindheit?
    Wir hatten einen ziemlich großen Garten, mein Sandkasten war ganz hinten. Am Zaun entlang nach vorne hatten meine Großeltern eine Reihe rote, schwarze, weiße Johannisbeeren und einige Stachelbeeren gepflanzt.
    Was soll ich sagen? Der Johannisbeerstrauch neben meinem Sandkasten war der größte und hatte die meisten Früchte. Man wunderte sich nur.
    Ich hab meine Familie diesbezüglich nie darüber aufgeklärt, aber der Weg zur Toilette im Haus – nur um Pippi zu machen – war manchmal einfach zu lang, außerdem hätte ich meine wichtige Bautätigkeit im Sandkasten unnötig lange unterbrechen müssen.^^
    Noch Fragen? 😛

  12. Also wie war das nochmals mit den Amalganfüllungen? Trotzdem mit Urin düngen oder lieber nicht. Kann mir ja nun nicht alle Füllungen wechseln lassen dewegen. Und wer weiss was in den neuen Füllungen alles drin ist. ^^

    Ansonsten guter Artikel. Habe mir das auch schon mal überlegt, aber bisher noch nicht umgesetzt. Werd das aber nun machen 🙂 Ausser die Amalganfüllungen sprechen dagegen.

  13. Ich dünge meine Tomaten schon ein paar Jahre mit Urin und habe noch keine gravierende Nachteile bemerkt. , ausser dass die Blätter sich anfangen zu kräuseln. , welches warscheinlich auf den erhöhten Phosphorgehalt im Urin zurückzuführen ist , aber das ist nur eine Vermutung .
    In einer Zeitung habe ich vor Jahren gelesen dass finnische Wissenschaftler herausgefunden haben dass Urin ein guter TomatenDünger ist, und seitdem dünge ich damit

    1. Auch die Zuchinis dünge ich damit im Verhältnis 1:5 mit Wassers sie explodieren förmlich. , so dass ich schon einschränken muss , denn wer will schon andauernd Zuchini essen

  14. In diesem Jahr hatte ich erstmalig die Kartoffeln mit jeweils etwa 6 Wochen altem Morgenurin gedüngt, und zwar wöchentlich mit 1:5. Es war seit Jahren die erste vernünftige Ernte. Und einen Nebeneffekt könnte es auch gegeben haben: sonst hatten Mäuse immer den Ertrag geschmälert, in diesem Jahr war eine einzige Knolle angefressen! Dagegen hatte der Nachbar diesjahr die Mäuse auf dem Hals, der sonst nie von einer Mäuseplage berichtete.

  15. hallo leute,

    ich denke man sollte sich über die inhaltsstoffe nicht allzuviel gedanken machen. jegliches gemüse das angebaut wird kommt auch von böden die erstmal natürlich entstanden sind und wo sich auch alles was in der atmosphäre vorkommt ablagert. böden können wirklich sehr viel aufnehmen und durch gesunde microflora und fauna viele stoffe abbauen.
    es kommt immer auf die menge an und im freien regelt sich das meiste durch regen und microorganismen.

    ich dünge seit jahren kartoffeln, tomaten und mein obstfeld seit ich azf dem rasen einen test gemacht hab. dort war das gras nie richtig grün, weil eben neu angelegt auf schlechtem boden. ich gab zum test einfach 10 liter (bei regenwetter) in einer spur rausgeleert. in kürzester zeit war entlang dieser spur üppiges saftiges grün entstanden. seitdem spüle ich „des gärtners gold“ nicht mehr weg.

    😉

    1. Danke für Deinen Erfahrungsbericht! Wie Charles Darwin schon wusste: Die Böden sind das Gedärm der Erde. Sie verdauen so gut wie alles. Es gibt sogar Bakterien, die sich von Uran ernähren…

  16. Nochmals zum Thema „Hormone im Urin“.

    Ich denke, diese Stoffkombination ist kein Problem.

    Denn im Hamburger Hauptbahnhof werden auf der Toilette an der Mönkebergstraße seit Jahren Kot und Urin getrennt gesammelt und anschließend gärtnerisch verwendet. Obwohl alle möglichen Leute mit allen möglichen Essgewohnheiten, Zigaretten- und Alkoholkonsum, Kranke und Gesunde, Pillenschlucker/innen etc. diese Toilette benutzen und so reichlich angereicherte „Endprodukte“ herstellen, gab es bislang noch keine Probleme mit der Produktqualität.

    Erst recht sollte es keine Probleme geben, wenn der Klein- und Hobbygärtner sein preiswertes Uringeschäft in Verbindung mit den EM betreibt.

    Der Agrarwissenschaftler Ernst Hammes weist in seinem Buch „EM Lösungen – Haus und Garten“ darauf hin, dass die EM die Organik auch auf der molekularen Ebene auseinandernehmen und die so gewonnenen biologischen Bausteine den Bodenlebewesen für Neues zur Verfügung stellen. Infolge dieses Vermögens ertritt er die Meinung, EM seien sogar in der Lage, gentechnisch verändertes Pflanzenmaterial zu zerlegen und es auf diese Weise unschädlich zu machen.

    Falls diese Meinung durch wissenschaftliche Untersuchungen noch bestätigt werden würde, wäre mittels der EM nicht nur ein großes, selbstgeschaffenes Umweltproblem gelöst. Es wäre spätestens dann auch gesichert, dass Urin mit Hormonanteilen unbedenklich im Garten verwendet werden könnte.

    Vor diesem Hintergrund und im Vertrauen auf das, was die EM schon nachweisbar leisten, halte ich es für unbedenklich, alle Arten von Urin – in Verbindung mit EM – im Garten einzusetzen. Ich z.B. gieße einen Mix aus 10 L Wasser gemischt mit angefallenem Urin (nie mehr als 1 L), 50 ml EM a, 150 ml Vinasse (Kalium haltig!) und 15 ml Pflanzenkohle aus. Der Drecksboden aus Bauschutt und Jahrzehnte langer „Düngung“ durch einen Blaukorn-Apostel, den ich bei Übernahme meines Gartens vorgefunden habe, hat sich stellenweise bereits erheblich verbessert. Das Gemüse hat sich noch nie über das Gießen mit Urin beschwert. Im Gegenteil.

  17. Sehr guter Beitrag, danke.
    Manche Artikel besagen, dass der Urin nicht aelter als 12h sein soll, andere, dass der Urin sogar ein halbes Jahr abgelagert werden sollte. Was ist richtig?

    1. Danke für das Lob! Leider kann ich Dir die Frage, was richtig ist, auch nicht mit Sicherheit beantworten. Aus praktischer Sicht konnte ich keinen Unterschied zwischen frischem und gelagertem Urin feststellen. Insofern ist wohl beides richtig. Die Lagerung sollte kühl und dunkel in abgeschlossenen Gefäßen (Flaschen, Kanister..) stattfinden. Grundsätzlich ist es wichtig, dass Urin mit Wasser verdünnt ausgebracht wird.

  18. Wir wohnen auf dem Land und es kann passieren, daß man sich einmal bei der Arbeit auf dem Grundstück keine Zeit nehmen will, um zum pinkeln ins Haus auf die Toilette zu gehen. Also gibt es da einen Baum…….Um diesen Baum herum grünt und blüht es, es ist die wahre Pracht.
    Aus dieser Überlegung heraus, will ich in mein Wohnmobil, das ich mir jetzt zur Rente gekauft habe, eine TTT einbauen. Eine Trocken-Trenn-Toilette. Habe auf y*****e einen Videoclip gesehen von einem Paar, die sich ein Wohnmobil auf Basis eines alten LKW gebaut haben. Darin eine TTT, die Frau erklärt eine viertel Stunde lang die Vorzüge dieser Toilette, vor allem man braucht keine Chemie und muß nicht mit der Fäkalien-Kasette alle zwei Tage eine Entsorgungsstation aufsuchen. Man ist durch die Trennung von Kot und Urin bis zu 30 Tagen ohne Entsorgung autark. Da ich in unser Womo solch eine Toilette einbauen werde, habe ich einerseits einen Tank mit etwa 30 Liter Volumen, in dem der Urin aufgefangen wird, und andererseits einen „Eimer“ mit kompostierbarem Plastiksack, wo der Kot mit Tierstreu (Hobelspäne) abgestreut wird und zur Entsorgung auf den Kompost (!!) kommt. Das ganze ohne Geruchsbildung, man kann notfalls einen kleinen PC-Lüfter einbauen. Es gibt bei y*****e jede Menge Videos über dieses Thema. Einfach bei Suche „Trenntoilette“ oder „Komposttoilette“ eingeben

    1. Hallo Heinrich. Vielen Dank für Deinen Kommentar und dass Du uns an Deinen Überlegungen teilhaben lässt. Eine wasserlose Trenntoilette ist die logische Konsequenz des Themas „Urin als Dünger“ – nicht nur im fahrbaren Zuhause.. 🙂

  19. Ich dünge meinen Garten und meine Balkonpflanzen nun schon einige Jahre mit verdünntem Urin, und bin im Garten nun auch zur Komposttoilette übergegangen. Ich habe mir von der Firma Tri-Terra eine Kompaktlösung schicken lassen, bei der die Fäkalien in einen luftdicht verschließbaren Eimer fallen und mit Kohlepulver überstreut werden. Das Prinzip nennt sich Bokashi. Es ist völlig geruchsneutral und funktioniert wie Sauerkraut. Genial.

  20. Ich dünge schon seit Jahren mit Urin und bin begeistert. Ich habe eine Frage zum Urinstein. Kann ich den mit aus Land geben? Oder besser nicht

  21. Leider wird dabei nicht beachtet, dass Mensch ein sündhafter „Tier“ ist.
    Daher sind seine Ausscheidungen im vorhinein geistig „vergiftet“. Für westliche Rationalisten das wäre allerdings ein Humbug.

  22. Ich beschäftige mich erst seit kurzem mit dem Thema Stoffkreisläufe im Allgemeinen und Nutzung von Ausscheidungen im Besonderen. Ich finde gerade die Düngung mit Urin im eigenen Garten sehr spannend, weil es einfach umzusetzen ist. Für die festen Ausscheidungen ist es schon etwas aufwändiger. Eigentlich schon seltsam, man nutzt ganz selbstverständlich die Ausscheidungen von Nutztieren als Dünger in Form von frischem oder kompostiertem Stallmist. Selbst die Ausscheidungen von Hühnern, die sich nicht rein pflanzlich ernähren, werden als Dünger im Garten genutzt und keiner wundert sich darüber. Die eigenen Ausscheidungen scheinen uns da irgendwie suspekt zu sein. Das liegt vielleicht auch daran, dass in menschlichem Kot natürlich auch jede Menge für den Menschen pathogene „Keime“ (Vieren, Bakterien, Würmer und ihre Eier,…) enthalten sind. Wie sieht es damit aus? Werden die durch die Kompostierung unschädlich gemacht?
    Die Aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Oya (übrigens sehr zu empfehlen) beschäftigt sich genau mit diesem Thema. Da sind jede Menge interessante Beiträge zum Thema drin (man kann auch online rein schauen).

    1. Hallo Anja, vielen Dank für Deinen Beitrag zur Diskussion. Die Kompostierung von menschlichem Kot ist ein Thema, über welches bereits ganze Bücher geschrieben wurden. Auch die oya hat da schon was darüber geschrieben (siehe bspw. hier: http://www.oya-online.de/article/read/588-Wie_man_Scheisse_zu_Gold_macht.html). Der „Trick“ besteht einerseits in der milchsaueren Vergärung und der langen Lagerung bzw. Verwendung des Kots für die Düngung von Gehölzen.

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