Komposttee 2.0

Heute möchte ich endlich die bereits angekündigte Fortsetzung des Artikels zum Komposttee 1.0 veröffentlichen. Im Wesentlichen möchte ich hierin den Unterschied zwischen verschiedenen Arten von Tee´s und deren Anwendung darstellen. Je nach Verwendungszweck empfiehlt sich eine angepasste Rezeptur.

bakterien- vs. pilzdominierter Komposttee

Wenn man sich verschiedene Rezepte für Komposttees ansieht, wird man schnell feststellen, dass sie typischerweise für sich reklamieren, entweder ein mit Bakterien- oder mit Pilzkulturen besiedelten oder einen mit beiden Kulturen ausgeglichenen Tee zu produzieren. Tatsächlich können bestimmte Zutaten des Komposttees die Entwicklung von Pilzkulturen fördern, während andere die Entwicklung von Bakterien oder beide Arten unterstützen. Die enthaltenen Zutaten sollten sich für den beabsichtigten Zweck eignen. Eigentlich benötigt jede Pflanze ein individuell an sie angepasstes Bakterien-Pilz-Verhältnis.

Verschiedene Pflanzen benötigen unterschiedliche mikrobielle Bedingungen. Soweit so klar. Aber woher weiß ich, welche optimalen mikrobiellen Bedingungen all die Pflanzen in meinem Garten benötigen?

Als Faustregel kann man sagen: Wenn der Tee bspw. in einem Garten mit einjährigen Pflanzen angewendet werden soll, dann sollte er vorwiegend bakteriendominant (Bakterien sind die überwiegende Kultur) sein. Bei Anwendung an mehrjährigen Pflanzen inkl. Bäumen sollten dagegen vorwiegend Pilzkulturen enthalten sein.

Aber: Mutter Natur vergibt fast alles. Falls versehentlich eine bakterienliebende Pflanze eine Portion eines Komposttees abbekommen hat, der vorwiegend Pilzkulturen enthält, dann wird ihr damit nicht geschadet. Allerdings profitiert die Pflanze im Vergleich zu einer Anwendung mit dem richtigen Tee nicht im gleichen Maße.

Man kann die verschieden Pflanzenarten nach ihren Teevorlieben in folgende Gruppen einteilen:

Pflanzenart Teetyp
die meisten Kohlarten Starker Bakerienkulturüberhang
Gemüse, Gras Moderater Bakerienkulturüberhang
Beeren Ausgeglichenes Bakterien-Pilze-Verhältnis
Laubbäume Moderater Pilzkulturüberhang
Nadelbäume Starker Pilzkulturüberhang

Die wichtigste Zutat, die auch die Art des gebrauten Tees festlegt, ist der Kompost. Der verwendete Kompost entscheidet auch darüber, ob der Komposttee ausgeglichen oder bakterien- bzw. pilzkulturdominant sein wird. Wenn der verwendete Kompost gar keine Pilze enthält und keine hinzugefügt werden, dann wird auch der Tee keine Pilzkulturen enthalten.

Die vorwiegenden Kulturen in einer Kompostart werden von den Ausgangszutaten bestimmt. Bakteriendominierter Kompost wird mit Ausgangsmaterialien gewonnen, die ein niedriges C-N-Verhältnis (das Verhältnis zwischen Kohlenstoff und Stickstof) aufweisen. Kompost, der überwiegend von Pilzkulturen besiedelt sein soll, wird stattdessen mit Materialien begonnen, die ein höheres C-N-Verhältnis besitzen. Anders ausgedrückt: Je mehr Pilze man im Kompost ansiedeln möchte, um so mehr Holzmaterial muss als Ausgangsmaterial verwendet werden. Aber das richtige Kompostieren ist ein ganz anderes Thema..

Für die verschiedenen Kompostarten (pilz-/bakteriendominiert bzw. ausgeglichen) empfehlen sich die folgenden Kompost-Mischungsverhältnisse:

Ausbalancierter Kompost

Menge Material
35 % Trockenes Stroh
35 % Grassschnitt
30 % Mist

Bakteriendominierter Kompost

Menge Material
30 % Trockenes Stroh
45 % Grassschnitt
25 % Mist

Pilzdominierter Kompost

Menge Material
45 % Trockenes Stroh
30 % Grassschnitt
25 % Mist

Hinweis: Mit diesen Ausgangsmaterialien allein hat man schon die halbe Miete für einen entsprechenden Kompost. Bedacht werden sollte allerdings, dass ein guter Kompost bis zu zwei Jahren und mehr für seine Reife benötigt. In dieser Zeit wird das Ausgangsmaterial zu Humus umgewandelt und vererdet. Erst dieses Endprodukt sollte als Zutat für den spezifischen Komposttee verwendet werden.

 

Drei Komposttee-Basis-Rezepte (für 20 l Wasser)

Komposttee mit ausgeglichenem Bakterien-Pilz-Verhältnis

700 g Kompost (ausgeglichenes Bakterien-Pilz-Verhältnis)
(50 ml Huminsäure)
30 ml flüssiger Seetang
30 ml wasserlösliche und ungeschwefelte Molasse

Zusätzlich kann noch ein Teelöffel Seetang hinzugefügt werden, um mehr Oberfläche für die Pilzentwicklung zu bieten.

Bakteriendominierter Komposttee

700 g bakteriendominierter Kompost (z.B. Wurmmist)
30 ml flüssiger Seetang
60 ml wasserlösliche und ungeschwefelte Molasse

Bakterien lieben Einfachzucker. Demzufolge können nach Belieben ein oder zwei Teelöffel Sirup, Rohrzucker oder sogar weißer Zucker hinzugefügt werden. Die Melasse enthält diverse natürliche Mineralien (z.B Kalium), was die Mikroben ernährt und die Erde anreichert.

Pilzdominierter Komposttee

900 g pilzdominierter Kompost (siehe unten)
60 ml humic acids
(2 Teelöffel Yucca-Extract)
30 ml flüssiger Seetang
2 Teelöffel gemahlene Haferflocken

Das Yucca-Extrakt wird gegen Ende des Brauprozesses hinzugefügt, um dann den sich entwickelnden Schaum in den Griff zu bekommen. Es sollte sichergestellt werden, dass das Yucca-Extrakt keine Konservierungsmittel enthält, jedoch einen hohen Saponin-Gehalt aufweist. Ich habe diese Zutat nie benutzt, da sie nicht so einfach zu beziehen ist und in Kapselform war sie mir einfach zu teuer. Stattdessen habe ich mich mit dem Schaumproblem arrangiert und meine Brauversuche in der Bade- oder Duschwanne durchgeführt…

Mögliche weitere Zutaten und deren Auswirkungen auf die Mikrobenzusammensetzung:

Zutat unterstützte Art Zutat unterstützte Art
Melasse Bakterien Ahornsirup Bakterien
Mais-Sirup Bakterien Rohrzucker Bakterien
Weißer Zucker Bakterien Fischemulsion Bakterien
Fruchtfleisch (Trester) Bakterien/Pilze Fisch Hydrolysat Pilze
Seetang Bakterien/Pilze gemahlene Haferflocken, Weizen- oder Dinkelkleie Pilze
Gesteinsmehl Bakterien/Pilze Yucca Pilze
Huminsäure Bakterien/Pilze Sojabohnenmehl Pilze

Hinweis: Pilze siedeln sich gern auf der Oberfläche einer Vielzahl von Zutaten an. Einige der o.g. Zutaten unterstützen Bakterien und bieten gleichzeitig Pilzen die Oberfläche für deren Wachstum (z.B. Seetang).

Tipps für die Steigerung der Mikrobenvielfalt

  1. Wenn die Mikrobenvielfalt im Komposttee erhöht werden soll, empfiehlt sich die zusätzlich Verwendung von guter Gartenerde. Gartenerde aus dem Baumarkt ist dafür jedoch eher ungeeignet, da – bedingt durch das Herstellungsverfahren – das Substrat eher arm an Mikroorganismen ist. Noch besser als Gartenerde ist die Verwendung von einer oder zwei Tassen Walderde, wenn der Tee pilzlastig werden soll. Durch das Hinzfügen dieser zusätzlichen Erdarten wird der Tee mit einer Vielzahl von Bodenmikroben besiedelt. Diese Erden wirken wie biologische Katalysatoren oder wie ein Kompost-Tee-Aktivator.
  2. Wenn wirklich sichergestellt werden soll, dass Pilze im Tee enthalten sind, sollte nach Abschluss des Brauvorgangs Sporen von Mykorrhizapilzen hinzugefügt werden. Diese Bodenpilze bauen vorteilhafte Beziehungen mit geschätzten 95 % aller Pflanzenarten auf und eigenen sich daher hervorragend für pilzdominierte Kompostees. Sie helfen den Pflanzen bei der Nährstoffaufbereitung und sorgen außerdem für eine Verbessereung der Böden.
    Wichtig: Da der Brauvorgang für die Mykorrhiza-Pilze nicht so vorteilhaft ist, sollten sie erst nach dessen Abschluss dem Komposttee hinzugefügt werden.
  3. Da es schwierig ist, Pilze durch das Brauen von Komposttee zu vermehren – sie nehmen zwar an Masse, jedoch nicht an Zahl zu – macht es Sinn, den Pilzen einen gewissen Vorsprung zu verschaffen. Der Trick ist, die Pilze bereits vor Beginn des Brauvorgangs wachsen und vermehren zu lassen. Um das zu erreichen werden ein paar Hände voll Kompost mit Wasser (am besten Regen- oder gutes Quellwasser) befeuchtet (nicht tropfnass!) und in einen lichtundurchlässigen Behälter platziert. Den in dem Kompost enthaltenen Pilzen werden anschließend noch eine Portion Proteine in Form von z.B. Weizen- und/oder Dinkelkleie spendiert und unter den Kompost gemischt. Der Behälter wird dann nicht ganz dicht abgedeckt und für 3 Tage an einen warmen, dunklen Ort gestellt. Dazu eignet sich z.B. der Küchenschrank unter dem Spülbecken oder ein Platz auf dem Kühlschrank. Nach den drei Tagen kann man die Abdeckung entfernen und wird feststellen, dass sich feine Pilzwurzeln (Myzelien) in dem Kompost gebildet haben. Dieser nun sehr pilzreiche Kompost wird dann als Ausgangsmaterial für die Herstellung eines wirklich pilzdominierenden Komposttees verwendet.
  4. Es sollte beachtet werden, dass die Pilze und Nematoden nach Abschluss des Brauprozesses nicht versehentlich wieder herausgefiltert werden. Ein Filtervorgang kann notwendig werden, wenn der Tee noch grobes Material enthält und er zum Versprühen verwendet werden soll. Jedoch sollte darauf geachtet werden, dass die Maschenweite des Filters mindestens 400 Mikrometer beträgt. Ein einfaches Farbsieb aus dem Baumarkt dürfte für diesen Zweck ausreichend sein. Socken, Strumpfhosen oder Kissenbezüge sollten wegen ihrer hohen Faserdichte vermieden werden.

Resümee

Mit diesen Informationen und der richtigen Brautechnik sollten sehr brauchbare Ergebnisse erzielt werden können. Besonders Zimmerpflanzen profitieren nach meinen Erfahrungen. Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass der Tee kein Dünger im herkömmlichen Sinne ist. Ein vernünftiger Komposttee kann aber die Düngermengen reduzieren und führt zu lebendigeren und widerstandsfähigeren Pflanzen.

Es würde mich freuen, wenn weitere Erfahrungen mit Komposttee hier geteilt werden. Ansonsten bleibt mir noch: Viel Spaß beim experimentieren!

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